Schulpolitik: Vom Bildungsland zur Bildungswüste

24. April 2018 | Von | Kategorie: Aktuell

„Die Situation ist dramatisch …. aber alle gehen zur Tagesordnung über, als seien die Probleme gelöst oder ständen kurz vor einer Lösung“, stellte die Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschland e.V. (ASD), Gudrun Wolters-Vogeler, zusammenfassend im Laufe der Frühjahrstagung des Schulleitungsverbandes in Weimar fassungslos fest.

Sie bezieht sich damit z. B. auf den Sanierungs- und Schulbaustau, die Umsetzung der Inklusion in den Ländern, den Ausbau von Kitaplätzen und Ganztagsschulen und den Stand des digitalen Ausbaus in den Schulen.

Als besonders schwerwiegend wird seit Monaten auch in der Öffentlichkeit der Lehrermangel in allen Bundesländern wahrgenommen. Es gibt kein Bundesland, in dem nicht mindestens in einer Schulform ein massiver Mangel an Lehrkräften und weiterem pädagogischen Personal zu verzeichnen ist.

Das Gefühl, dass in diesem Bereich bundesweit „Land unter“ signalisiert wird, wurde auch vom Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Minister für Bildung, Jugend und Sport Helmut Holter auf der Bundestagung des ASD am Wochenende geteilt. Er räumte zudem ein, dass in den Bundesländern eine sachgerechte Personalplanung über Jahre von der Politik vernachlässigt wurde.

Diese Lücken werden in den nächsten zehn Jahren nicht zu schließen sein. Es fehlen nicht nur zehntausende ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, sondern inzwischen auch das notwendige Interesse junger Leute für den Beruf der Lehrkraft. Dieser wird zunehmend als unattraktiv empfunden. Die Gründe liegen vor allem in der überholten Besoldungsstruktur und den Rahmenbedingen, angefangen mit der fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung bis hin zu den häufig desolaten hygienischen und baulichen Zuständen in den Schulen.

Besonders betroffen sind hiervon Grundschulen, Förderschulen und Schulen im sozialen Brennpunkt und im ländlichen Bereich.

Schulleitungen sehen sich zunehmend außerstande, diese Missstände zu verwalten. Dies wirkt sich inzwischen auch auf die Besetzung von Schulleitungsstellen auf.
Immer mehr Schulleitungen und Kollegien melden untragbare Überbelastungen. Zudem fühlen sich diese weitgehend von der Politik und den Schulaufsichten mit den Problemen allein gelassen.

„Die Schulleiterinnen und Schulleiter sind vor diesem Hintergrund kaum noch in der Lage, die Qualität von Unterricht zu gewährleisten“, stellte die Vertreterin des Schulleitungsverband Niedersachsens (SLV Niedersachsen), Andrea Kunkel, fest.

Der Einsatz von Lehrern und Lehrerinnen aus EU-Ländern und nicht pädagogisch qualifizierten Seiteneinsteiger*innen helfen in dieser Situation nur sehr begrenzt weiter. „Deren Einsatz geht primär zu Lasten der Schülerinnen und Schüler, laugt aber zudem die dadurch zusätzlich belasteten Kollegien und Schulleitungen aus“, stellten die Ländervertreter in Weimar übereinstimmend fest.

Diese ständige Überbelastung führt absehbar zu weiterem Stundenausfall und gefährdet langfristig die Gesundheit aller Beteiligten. Die Folge ist ein weiterer Qualitätsrückgang von Bildung und Erziehung in den Schulen.

Dem gegenüber steht neben dem Anspruch der Bildungsrepublik und dem eigenen Anspruch der Schulen eine zunehmend anspruchsvolle und fordernde Elternschaft, die die Bildung ihrer Kinder gefährdet sieht. Wir teilen diese Einschätzung, dass nur mit qualifiziertem pädagogischen Personal das bildungspolitischen Ziel erreicht werden kann.

Der ASD fordert ein sofortiges Umdenken und einen sichtbaren Kurswechsel der Bildungspolitik in Bund und Ländern.

•Der Beruf der Lehrkraft muss wieder attraktiv werden. Gleiches gilt für die Berufe des weiteren pädagogischen Personals (z.B. Erzieher, Sozialpädagogen…)
•Gefordert wird im Hinblick auf die aktuellen Erfordernisse eine bedarfsgerechte Ausstattung der Schulen mit personellen und sächlichen Ressourcen.
•Eine Reform der Lehrerausbildung, sowohl im universitären und als auch im praktischen Bereich, sowie die Ausschöpfung aller Ausbildungskapazitäten.

Es ist zudem dringend erforderlich, dass Schule und der Beruf der Lehrkraft wieder die notwendige Anerkennung und Wertschätzung in der Gesellschaft und durch die Politik erhalten. Darin waren sich die Vertreter der Länder und der Präsident der KMK einig.
23.04.2018 / Bundesweit / Pressemeldung / Allgemeiner Schulleitungsverband Deutschlands e.V.

Schreibe einen Kommentar