Stundentafel für Lehrer im Visier

8. Dezember 2016 | Von | Kategorie: Aktuell

Bildung Expertengremium untersucht Belastung der Lehrkräfte an Schulen
Kultusministerin Frauke Heiligenstadt erwartet Empfehlungen. Die zwölfköpfige Runde soll sich Zeit nehmen.

8.12.16 – Richard Höptner macht sich keine Illusionen. „Die Erwartungen sind sicher keine geringen“, sagt der frühere Chef des Rechnungshofes, der in den nächsten Monaten das Expertengremium leitet, das die Arbeitszeiten von Lehrern untersucht und Entlastungen vorschlagen soll.
Zwölf Köpfe machen sich dazu im Auftrag des Kultusministeriums Gedanken: vier Wissenschaftler, zwei Standesvertreter mit Eberhard Brandt von der Lehrergewerkschaft GEW und Friedhelm Schäfer vom Beamtenbund sowie vier Praktiker, unter anderen mit Heinz Kaiser, Oberstudiendirektor und Leiter des Studienseminars Oldenburg für das Lehramt an berufsbildenden Schulen. Dazu kommt die Höptner-Stellver-treterin und Vorsitzende des Schulleiterverbandes, Helga Akkermann.
Das Gremium werde „sehr gründlich vorgehen“, verspricht Ex-Prüfer Höptner. Das Feld ist schließlich belegt mit politischen Minen. Die rot-grüne Landesregierung erlitt eine krachende Niederlage vor Gericht, als sie die Arbeitszeit heraufsetzte.
Die GEW bringt zugleich eine Studie ein, die eine verheerende Stundenbelastung von Lehrern analysiert. Und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) musste sich erst jüngst in einer Online-Umfrage belehren lassen, dass sich viele Lehrer bis über Grenzen hinaus belastet fühlen – besonders an Gymnasien. Ministerin Heiligenstadt erwartet jetzt die Erarbeitung „objektiver Kriterien“ durch die Experten. „Das Gremium soll Empfehlungen erarbeiten“, lautet der dezidierte Auftrag.
Die Grünen sprechen schon jetzt von einer „bundesweiten Vorreiterrolle“. „Gute Schule geht nur bei guten Arbeitsbedingungen“, mahnt Grünen-Schulexperte Heiner Scholing. Für den FDP-Schulexperten Björn Försterling darf die Expertenrunde auf keinen Fall zum „Feigenblatt für die Ministerin“ mutieren.

(Quelle: Ostfriesenzeitung, 8.12.16)


Expertengremium zur Arbeitszeitanalyse von Lehrkräften und Schulleitungen nimmt Arbeit auf – Heiligenstadt: „So umfassend und konsequent beschäftigt sich keine andere Landesregierung mit dem Thema der Arbeitszeit der Lehrkräfte“

7.12.16 – „Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, so kompetente und gestaltungsfreudige Expertinnen und Experten für die Arbeit in dem neuen Gremium zu gewinnen”, sagte die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt anlässlich der konstituierenden Sitzung des Expertengremiums zur Analyse der Arbeitszeit von Lehrkräften und Schulleitungen. Das zwölf Mitglieder starke Gremium unter Vorsitz des ehemaligen Präsidenten des Niedersächsischen Landesrechnungshofes, Richard Höptner, hat am (heutigen) Mittwoch in Hannover seine Arbeit aufgenommen.

Das Expertengremium hat den Auftrag, die arbeitszeitrelevanten Tätigkeiten von Lehrkräften und Schulleitungen zu ermitteln und nach objektiven Kriterien zu bewerten. Ziel ist es, darauf aufbauend ein transparentes Standardverfahren zu entwickeln, mit dem in regelmäßigen Abständen die arbeitszeitlichen Regelungen für Lehrkräfte und ihre Wirkungen überprüft werden können. Hierzu soll das Gremium Empfehlungen erarbeiten. Die Expertinnen und Experten werten vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien zur Arbeitszeit von Lehrkräften und Schulleitungen aus. Bei Bedarf kann das Gremium darüber hinaus auch zusätzliche Untersuchungen in Auftrag geben, um eventuell bestehende Datenlücken zu schließen bzw. offene Fragen zu beantworten.

Das Expertengremium berät anlässlich der konstituierenden Sitzung über die Arbeitsplanung und die weiteren Abläufe. Richard Höptner, Vorsitzender des Expertengremiums, machte deutlich: „Die Erwartungen, die sich mit dem Expertengremium verbinden, sind sicher keine geringen. Mir ist klar, dass es – auch in der Öffentlichkeit – die Hoffnung gibt, dass wir schnell zu Ergebnissen kommen. Dazu ist festzustellen, dass wir einiges an Arbeit vor uns haben und sehr gründlich werden vorgehen müssen, um zu durchdachten und tragfähigen Empfehlungen für die Politik zu kommen. Ich möchte aber auch sagen, dass es sicherlich keine Lösung wäre, die Klärung dieser Fragen auf die lange Bank zu schieben.”

Stellvertretende Vorsitzende des Expertengremiums ist die ehemalige Schulleiterin der KGS Sehnde und langjährige Vorsitzende des Schulleitungsverbands Niedersachsen (SLVN), Helga Akkermann. Daneben gehören dem Gremium vier Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft an: Prof. Dr. Beate Wischer von der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Axel Haunschild vom Institut für Interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Leibniz Universität Hannover, Dr. Frank Mußmann, Leiter der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften an der Georg-August-Universität Göttingen, sowie David Horstmann vom Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg. Weitere vier Mitglieder des Expertengremiums kommen aus der schulischen Praxis: Brigitte Rössing, Leiterin der Grundschule Comeniusstraße in Braunschweig, Julia Grunewald, Leiterin der IGS Südstadt in Hannover, Martin Neumann, Leitender Regierungsschuldirektor und Dezernatsleiter in der Regionalabteilung Osnabrück der Niedersächsischen Landesschulbehörde, sowie Heinz Kaiser, Oberstudiendirektor und Leiter des Studienseminars Oldenburg für das Lehramt an berufsbildenden Schulen. Dem Expertengremium gehören darüber hinaus zwei Vertreter der Spitzenorganisationen der zuständigen Gewerkschaften und Berufsverbände an: Eberhardt Brandt, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, sowie Friedhelm Schäfer, Landesvorsitzender des Niedersächsischen Beamtenbundes. Beide sind von ihren jeweiligen Spitzenorganisationen benannt worden.

Kultusministerin Heiligenstadt dankte den Mitgliedern des Expertengremiums für die Bereitschaft, ihre Erfahrung und ihr Expertenwissen einzubringen. Es sei ein innovativer Schritt, eine externe Expertenkommission mit der Erarbeitung von Empfehlungen zu beauftragen und so dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg vom 09.06.2015 Rechnung zu tragen. Die Ministerin betonte die Unabhängigkeit der Expertinnen und Experten und machte deutlich: „So umfassend und konsequent beschäftigt sich keine andere Landesregierung mit dem Thema der Arbeitszeit der Lehrkräfte.”

(Quelle: http://www.mk.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/expertengremium-zur-arbeitszeitanalyse-von-lehrkraeften-und-schulleitungen-nimmt-arbeit-auf–heiligenstadt-so-umfassend-und-konsequent-beschaeftigt-sich-keine-andere-landesregierung-mit-dem-thema-der-arbeitszeit-der-lehrkraefte-149319.html)

Tags: ,

Schreibe einen Kommentar