Vorstoß: Farsi ab der Kita, Arabisch im Abi

24. November 2016 | Von | Kategorie: Aktuell

Initiative in Niedersachsen

23.11.16 – In den Köpfen vieler Migrantenkinder schlummert nach Ansicht von Rot-Grün ein schulisch ungenutzter Sprachschatz. Sie wachsen in Deutschland oft mehrsprachig auf, ohne aber in der Schule ihre Kenntnisse der Herkunftssprache nutzen zu können. Zumindest dann, wenn es nicht schulisch gängige Sprachen wie Englisch oder Spanisch sind, sondern Türkisch, Polnisch, Arabisch oder das persische Farsi. Mit einem neuen Antrag wollen SPD und Grüne nun die Mehrsprachigkeit in der Schule und möglichst bereits in der Kindertagesstätte fördern.

Herkunftssprache „Teil des Abiturs“

Der Grünen-Politiker Heiner Scholing begründete den Vorstoß am Mittwoch im Landtag als „deutliches Zeichen für Mehrsprachigkeit“ und warnte umgehend vor „überflüssigen Ängsten“. „Wir wollen keine arabischen Kitas und wir wollen keine Abiturprüfungen auf Farsi“, stellte Scholing klar. „Wir wollen, dass die Herkunftssprache Teil des Abiturs wird. Nicht mehr und nicht weniger.“ SPD und Grüne beziehen sich dabei auf Wissenschaftler, denen zufolge mehrsprachige Kinder sich beim Erlernen neuer Sprachen leichter tun. Statt also nichtdeutschen Erstsprachlern erst mühsam die erste Sprache abzugewöhnen und später wieder Englisch oder Französisch aufs Deutsche draufzusatteln, solle man die bestehenden Kenntnisse pflegen.

Grundsätzlich neu ist das nicht, stellte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) klar: Aktuell belegten 4379 niedersächsische Schüler Türkischkurse, auch Niederländisch, Russisch, Hebräisch oder Japanisch werde zwischen Harz und Nordsee gelehrt.

Vorzugsweise deutsch

Der Opposition gehen die rot-grünen Ideen viel zu weit. Sie besteht darauf, dass zunächst einmal die deutsche Sprache vernünftig vermittelt werde. „Wir wollen keine Kitas, in denen ganz offiziell neben Deutsch auch hauptsächlich Arabisch gesprochen wird“, betonte der CDU-Landtagsabgeordnete Clemens Lammerskitten (Wahlkreis Bramsche). Das diene nicht der Integration. Zwar hält die CDU herkunftssprachlichen Unterricht grundsätzlich für sinnvoll. Aber das hinter dem Antrag stehende Gesellschaftsbild hält die Union für fraglich: „Zusätzliche Kenntnisse in der Herkunftssprache sind eine Ergänzung, dürfen aber keinen Vorrang vor dem allgemeinen Bildungsziel haben“, sagte Lammerskitten.

Wo bleibt Platt?

Für die FDP kommt der Antrag angesichts der vielen Bildungsbaustellen zur Unzeit. Der FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling sieht die Diskussion angesichts von Inklusion, Ganztag, Umstellung auf G9 und Problemen bei der Unterrichtsversorgung kritisch: „Warum beschäftigen Sie sich jetzt nicht mal mit den Themen, die wirklich wichtig sind?“, fragte er die Regierungsfraktionen: So lange Flüchtlingskinder in Niedersachsen auf den Deutschunterricht an Schulen warten müssten, sei die Debatte um multilinguale Züge unsinnig. Insgesamt sieht auch die FDP bei Rot-Grün falschen Ehrgeiz am Werk: Er wäre froh, „wenn Sie mit der niedersächsischen Herkunftssprache Platt ebenso enthusiastisch umgehen würden wie mit anderen Herkunftssprachen“, sagte Försterling.

Der Landtag überwies den Vorschlag am Mittwoch mit rot-grüner Regierungsmehrheit in den Schulausschuss. Hier soll die Initiative weiter besprochen werden.

(Quelle: http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/810547/vorstoss-farsi-ab-der-kita-arabisch-im-abi?piano_t=1

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