Schulleiter: “Sind an unsere Grenzen gekommen”

22. September 2016 | Von | Kategorie: Aktuell

21.8.16 – Bei der Versammlung der niedersächsischen Schulleiter am Mittwoch in Celle ist die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte Mittelpunkt einer hitzigen Debatte gewesen. Das Führungspersonal an Schulen klagt über zu wenig Unterstützung aus der Politik – hielt sich auch mit Kritik an der Landesschulbehörde nicht zurück. “Die Art der Kommunikation zwischen Behörde und Schulleitungen ist zum Teil erschreckend. Augenhöhe, Perspektive, Transparenz und Wertschätzung: ganz häufig Fehlanzeige”, erklärte Frank Stöber, Vorsitzender des Schulleitungsverbandes, beim Treffen mit 400 Mitgliedern von Schulleitungen. Die Belastung der Schulleiter wachse – da sei es schikanös, wenn sie in gut siebenstündigen Dienstbesprechungen mit der Behörden sitzen müssten.

Heiligenstadt sieht Handlungsbedarf

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) reagierte auf die Kritik und räumte Handlungsbedarf ein: “Was die Unterstützung durch die Behörden anbelangt, müssen wir einfach besser werden.” Zudem kündigte sie an, Grundschulleiter künftig stärker von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Ihre Verantwortung für die Gestaltung von Verträgen für Mitarbeiter aus der Ganztagsbetreuung soll zum Beispiel enden. Niedersachsen hat unterdessen Schwierigkeiten, Grundschulpädagogen für Führungsaufgaben zu gewinnen. Laut Jahresbericht des Landesrechnungshofes sind 31 Prozent der Schulleitungsstellen an Grundschulen nicht besetzt.

Hohn für Ministerin

In ihrer Rede verwies Heiligenstadt auch auf das Ergebnis einer Online-Umfrage zur Arbeitsbelastung von Lehrern. Diese habe ergeben, dass Schulleiter ihre Arbeit in der Regel als “sinnhafter, verstehbarer und bewältigbarer erleben als Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter.” Dafür ernete die Politikerin Hohngelächter aus den Reihen in der Celler Congress Union. “Dass die Ministerin inzwischen bei Redeeinsätzen öffentlich ausgelacht wird, zeigt einmal mehr, dass sie bei Schulleitern und Lehrkräften jeglichen Rückhalt verloren hat”, sagte Kai Seefried, schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

“Wir sind an unsere Grenzen gekommen”

Heiligenstadts Interpretation widersprach Verbandschef Stöber: “Wir sind an unsere Grenzen gekommen, und einzig die Tatsache, dass wir als Führungskräfte verantwortlich handeln, lässt uns mit den Anforderungen anders umgehen.” Stöber erneuerte im Namen der Mitglieder seine Forderung: Die Unterrichtsverpflichtung für Schulleiter dürfe gerade an kleinen Schulen zehn Stunden pro Woche nicht überschreiten. Dass das in der Regel nicht der Fall ist, erklärte eine Lehrerin. Sie unterrichte 18 Stunden in der Woche, sei für ihre Verwaltungsaufgaben jeden Sonntag in der Schule. Ministerin Heiligenstadt halte sie für eine Zumutung. Auch ein Realschulrektor äußerte sich enttäuscht. Seine 60-Stunden-Woche beschrieb er so: “Früher war mein Hobby Fußball, heute ist mein Hobby Ganztag.”

Quelle: (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Ueberlastete-Schulleiter-Hohn-fuer-Heiligenstadt,schulleiter144.html)

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