Nordrhein-Westfalen: Jurist hält Besoldung von Lehrern für verfassungswidrig

23. Januar 2016 | Von | Kategorie: Aktuell

Grundschullehrer verdienen oft weniger als ihre Kollegen an Gymnasien. In Nordrhein-Westfalen sei das rechtswidrig, sagt nun ein Würzburger Rechtsprofessor. Der Grund: In dem Bundesland studieren alle künftigen Lehrer gleich lang.

22.1.16 – Die Ausbildungsdauer ist gleich – der Kontostand aber nicht. Dass Lehrer in Nordrhein-Westfalen je nach Schulform unterschiedlich bezahlt werden, ist aus Sicht eines Rechtsexperten verfassungswidrig.

Demnach lasse es sich nicht länger rechtfertigen, dass Lehrer an Grundschulen und in der Sekundarstufe I weniger verdienen als Lehrer an Gymnasien, Berufskollegs und in der Sekundarstufe II. Zu dem Schluss kommt der Würzburger Jura-Professor Ralf Brinktrine in seinem Gutachten für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Nachdem 2009 ein einheitlicher Ausbildungsrahmen für alle Lehrer in Nordrhein-Westfalen beschlossen wurde, seien alle Rechtfertigungen für unterschiedliche Besoldungen entfallen, erläuterte Brinktrine. Für alle Lehrämter müssen seitdem zehn Semester Hochschulstudium plus 18 Monate Referendariat absolviert werden.

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann sagte eine gründliche Prüfung des Gutachtens zu. Viele andere Bundesländer mit gleich langer Lehrerausbildung hätten bislang die Besoldung auch nicht geändert. „Nicht jede Forderung, die ich nachvollziehen kann, kann ich auch direkt umsetzen“, sagte Löhrmann.

Die Besoldung von verbeamteten Lehrern ist – wie deren Ausbildung – von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Gewerkschaften monieren immer wieder, dass das System ungerecht sei.

Mehr Geld für Lehrer in Schleswig-Holstein

 „Alle Lehrkräfte müssen heute Schlüsselqualifikationen vermitteln, Schüler mit Migrationshintergrund integrieren, inklusiven Unterricht auch für behinderte Kinder anbieten und mit Heterogenität in ihren Klassen umgehen“, sagte der Chef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Nordrhein-Westfalen, Udo Beckmann. Der VBE führe seit Längerem ein gerichtliches Verfahren, um festzustellen, ob die Besoldung von Lehrkräften verfassungswidrig sei. Es liege beim Verwaltungsgericht Arnsberg zur Entscheidung.

In Schleswig-Holstein hatte der Landtag am Mittwoch für eine bessere Bezahlung der Lehrer an Gemeinschaftsschulen gestimmt. Sie rücken in die Besoldungsgruppe A13 auf, nach der bereits die Lehrer an Gymnasien vergütet werden. Grundschullehrer bleiben dagegen in der Besoldungsgruppe A12. Damit verdienen sie laut GEW bis zu 450 Euro weniger im Monat als ihre Kollegen an weiterführenden Schulen.

Auch in Schleswig-Holstein absolvieren alle Lehrer eine gleich lange Ausbildung. Die Besoldung richte sich aber nicht nach der Ausbildung, sondern nach der Tätigkeit, sagte Bildungsministerin Britta Ernst im Landtag.

(Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/lehrer-in-nordrhein-westfalen-gutachten-zur-besoldung-a-1073459.html#ref=rss)

Tags: , , ,

Schreibe einen Kommentar