Buntes Durcheinander im Klassenzimmer

19. November 2015 | Von | Kategorie: Lehreraus- u. fortbildung

Qualitätsoffensive: Universitäten Oldenburg und Bremen bereiten Lehrer auf heterogene Klassen vor
Der Bezug zwischen Theorie und Praxis soll gestärkt werden. Dazu werden spezielle Räume eingerichtet.

VON HEIDI SCHARVOGEL
18.11.15 – Kinder aus Syrien, Deutschland und Rumänien, mit und ohne Behinderung, aus bildungsnahen und bildungsfernen Familien – die zunehmende Heterogenität in Schulklassen ist aktuell die größte Herausforderung bei der Ausbildung von Lehrern. Da sind sich Experten einig.
Auch die Politik hat reagiert. Bund und Länder haben die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung” ins Leben gerufen. Zu den Zielen des Programms gehört es, neue Medien effektiv im Unterricht einzusetzen, im Studium einen stärkeren Praxisbezug zu erreichen sowie Studium, Referendariat und Weiterbildung besser zu verzahnen.
Erfolgreich um Gelder aus dem Topf der Qualitätsoffensive haben sich die Universitäten Oldenburg und Bremen beworben. Das Projekt „Biographieorientierte und Phasenübergreifende Lehrerbildung in Oldenburg plus” (Bio-POL+) der Uni Oldenburg wird mit 4,1 Millionen Euro gefördert. Die Universität Bremen erhält 2,8 Millionen Euro, um ihren Antrag „Schnittstellen gestalten – das Zukunftskonzept für die Lehrerbildung” umzusetzen.
Angehende Lehrer sollten nicht nur auf heterogene Klassen vorbereitet werden, sondern auch in der Lage sein, angemessen auf künftige Herausforderungen zu reagieren, findet Prof. Dr. Sabine Doff, Wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Bremen. „Das können wir erreichen, indem wir den Studierenden vermitteln, dass sie die Theorie aus dem Studium nutzen können, um in der Praxis auf neue Situationen angemessen zu reagieren und ihr Handeln zu reflektieren.”
Lehrkonzepte erproben
Den Bezug zwischen Theorie und Praxis zu stärken, sieht auch das Konzept der Uni Oldenburg vor. Dazu sollen etwa Theorie-Praxis-Räume eingerichtet werden, in denen Studierende Lehrsituationen erleben, analysieren und weiterentwickeln können, wie Prof. Dr. Gunilla Budde, Vizepräsidentin für Studium und Lehre, mitteilt. Diese Räume sind ein Beispiel für ein Lehrkonzept, das in Oldenburg erprobt und evaluiert werden soll.
Denn auch die Forschung zur Lehrerbildung ist Teil von „BioPOL+”. „Fachdidaktiker sind in Deutschland Mangelware. Um diesem Trend entgegenzuwirken, werden wir ein Programm für Junior-Professuren starten”, so Budde.
Den Kontakt zu Lehrern zu stärken, ist ein weiteres wichtiges Anliegen des Oldenburger Konzepts. „Wir möchten Lehrerinnen und Lehrer verstärkt immer wieder zurück an die Uni holen, um ihnen Weiter- und Fortbildung zu ermöglichen einerseits und andererseits aber auch, um ihren Erfahrungsschatz aus der Schulpraxis in die Uni hineinzutragen”, so Budde.
Bessere Kommunikation
Eine verbesserte Kommunikation zwischen Bildungswissenschaften, Fachdidaktik und Fachwissenschaften sehen die Konzepte beider Hochschulen vor. „Studierende erleben ihr Studium häufig als fragmentiert. Die Teile später im Beruf zu verknüpfen, frisst Energien, die an anderer Stelle gebraucht würden”, erläutert Doff.
Diese Verknüpfung müssen Studierende selbst herstellen, doch die Unis können dabei helfen. „Nehmen wir zum Beispiel ein Seminar in Erziehungswissenschaften zum Thema Inklusion. Der Erziehungswissenschaftler spricht allgemeine Themen an, sagt aber nichts dazu, wie etwa der Englischunterricht in einer Klasse mit fünf verschiedenen Muttersprachen ablaufen könnte”, so Doff, Fachdidakti-kerin für Anglistik. „Chancengleichheit könnte der Lehrer zum Beispiel herstellen, indem er nur Englisch spricht.” An der Uni Bremen gibt es dazu jetzt ein Modul, in dem allgemeine Erziehungswissenschaften durch fachdidaktische Aspekte ergänzt werden.

(Quelle: Anzeiger für Harlingerland, 18.11.15)

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