Thema Biregio
Schlechtes Zeugnis für Schulgutachter

16. Juni 2015 | Von | Kategorie: Region

POLITIK Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert verteidigt Wolf Krämer-Mandeau gegen Kritik in ZDF-Beitrag.
Der Wissenschaftler habe in Diskussionen stets bewiesen, dass er sich in der Materie bestens auskennt. Der Landkreis Aurich werde weiter mit ihm zusammenarbeiten.

16.6.15 – Schulgutachten zum Schleuderpreis mit nichtssagenden Ergebnissen: Das ZDF stellt der Firma Biregio, auf deren Empfehlungen der vom Auricher Kreistag beschlossene Schulentwicklungsplan basiert, ein schlechtes Zeugnis aus (siehe Beitrag unten). Muss nun der Schulentwicklungsplan für den Landkreis Aurich neu geschrieben werden? Eindeutig nein, meint der Erste Kreisrat Dr. Frank Puchert.
Der Beitrag im ZDF-Magazin „Frontal 21″ sei aus seiner Sicht ein sehr eindimensionales Plädoyer für den Erhalt kleiner Grundschulen, sagte Puchert gestern der OZ. Welche Probleme solche Kleinstschulen haben, danach werde in dem Beitrag nicht gefragt. „Das ist schon überraschend“, findet Puchert.
Den von den Autoren erhobenen Vorwurf, in den Hunderten Biregio-Gutachten bundesweit tauchten immer wieder dieselben Formulierungen auf, es handele sich somit um billige Massenware, weist Puchert zurück. „Die Probleme sind überall ähnlich“, sagte er. In ganz Deutschland seien die Folgen des demografischen Wandels spürbar.
Auch die Schwierigkeiten von kleinen Schulen seien immer die gleichen. Darum spreche nichts dagegen, dieselben Formulierungen zu benutzen. Der schriftliche Teil des Gutachtens ist für Puchert nicht entscheidend.
Die eigentliche Leistung des Schulgutachters Wolf Krämer-Mandeau bestehe in den vielen Diskussionen, denen er sich anschließend gestellt habe – mit Politikern, Lehrern und der Öffentlichkeit. „Wir haben ihn sehr in Anspruch genommen.“
Krämer-Mandeau habe stets transparent gemacht, auf welcher Basis er Entscheidungen empfiehlt. Dabei sei deutlich geworden, dass er sich in der Schullandschaft des Landkreises Aurich gut auskennt, so Puchert: „Er ist ein Gutachter, der keinen Konflikt gescheut hat und der ganz präzise, standortbezogene Aussagen gemacht hat.“
Der Landkreis Aurich hat der Firma Biregio für das Gutachten knapp 50 000 Euro überwiesen. Der Preis sei nicht entscheidend gewesen, sagte der Erste Kreisrat. Man habe Krämer-Mandeau als Schulgutachter der Stadt Emden kennengelernt. Die Emder Kollegen hätten gute Erfahrungen mit ihm gemacht.
In ersten Gesprächen habe sich dann herausgestellt, dass Krämer-Mandeau schon sehr viel über die Schulen im Landkreis Aurich weiß, weil sie auch in der Emder Schulpolitik eine Rolle spielen. Darum habe man sich für die Firma Biregio entschieden und werde auch weiterhin mit ihr zusammenarbeiten -beim Thema Berufsschulen.
In seinem ersten Gutachten hatte sich Krämer-Mandeau mit allgemeinbildenden Schulen befasst – und sämtlichen Städten und Gemeinden im Landkreis Aurich mit Ausnahme der Inseln mittelfristig die Schließung von Grundschulen empfohlen. Die ZDF-Kritik wollte Krämer-Mandeau gestern nicht kommentieren: „Das gerät völlig aus den Fugen“, sagte er der OZ.

(Quelle: Ostfriesenzeitung, 16.6.15)

Zum Beitrag von Frontal 21 siehe den Link rechts.

Siehe auch: Wittmund möchte Schulplanung auslagern

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  1. Die von Krämer-Mandeau präsentierten Gutachten und Schulentwicklungspläne sind durch die Bank weg reine Zahlenwerke zur Einsparung kommunaler Mittel. Die wesentliche Aussage im Frontal21 Bericht besteht nicht in einem Plädoyer für den Erhalt kleiner Grundschulen, sondern in der Kritik an der Reduktion der Bildungsentwicklung auf Raum- und Geldbedarf. Soziokulturelle Gesichtspunkte spielen in den Gutachten absolut keine Rolle! Zudem fällt auf, dass Biregio vor allem in links regierten Kommunen beauftragt wird, weil die Empfehlungen für die Sekundarstufe stets die Zusammenlegung von Schulen zu IGS-Schulzentren beinhalten.

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