Sprachförderschulen bleiben erhalten

30. Januar 2015 | Von | Kategorie: Aktuell

fheiligenstadt-sprachfös_605x27829.1.15 – Die Sprachförderschulen in Niedersachsen bleiben nun doch erhalten. Das ist eine der wesentlichen Konsequenzen, die von der Landesregierung nach einer ersten Anhörung zum neuen Schulgesetz gezogen worden ist.

Ursprünglich war beabsichtigt, die neun Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache und die Sprachförderklassen an 29 weiteren Standorten ab Herbst dieses Jahres schrittweise aufzulösen und die Kinder mit Förderbedarf im Rahmen der Inklusion in Regelschulen zu unterrichten. Gegenwärtig handelt es sich dabei um rund 2200 Jungen und Mädchen; als Schulstandorte sind unter anderem Osnabrück und Lingen betroffen.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) erklärte am Donnerstag, die neun Sprachförderschulen und die Förderklassen sollten einen „unbefristeten Bestandsschutz“ erhalten. Neue Schulen dieser Art würden jedoch nicht genehmigt.

 Zur Begründung für diesen Schritt führte Heiligenstadt an, dass die Auflösung der Sprachförderschulen bei Lehrern und Eltern noch nicht die notwendige Akzeptanz gefunden habe. Deswegen wolle man bei der Inklusion in diesem Bereich „behutsamer vorgehen“ und bestehende Strukturen nicht ohne Einvernehmen auflösen.

Die Ministerin bedauerte, dass die Diskussionen der letzten Zeit einen „Hemmschuh für das große Ziel der Inklusion“ gebildet hätten. Die gemeinsame Unterrichtung von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen bleibe aber weiter erklärtes Ziel.

Heiligenstadt erläuterte, dass man auch bei der parallel vorgesehenen Einführung von Regionalstellen für schulische Inklusion mehr Zeit geben wolle. Einstweilen sollen Förderschulen weiter die Funktion von Förderzentren übernehmen.

Eine Änderung soll es laut Heiligenstadt auch im Bereich der Schülerbeförderung geben. So solle es eine Kostenerstattung auch dann geben, wenn der Besuch einer gewählten Schulform nur außerhalb des jeweiligen Landkreises oder der kreisfreien Stadt möglich sei.

Der Ministerin zufolge gab es bei der Anhörung insgesamt 46 Stellungnahmen. Für wesentliche Zielsetzungen der Gesetzesnovelle wie etwa der Abkehr vom Turboabitur, der Ausweitung von Ganztagsschulen, der Abschaffung von Schullaufbahnempfehlungen sowie der Aufwertung der Gesamtschulen zu ersetzenden Einrichtungen habe es überwiegend positive Anmerkungen gegeben. Kritik sei mit Blick auf die IGS vorwiegend aus dem Gymnasialbereich gekommen.

Heiligenstadt kündigte an, dass die Neufassung des Schulgesetzes am 11. Februar vom Landeskabinett beschlossen werden solle. Dann gehe der geänderte Entwurf an den Landtag; im Rahmen der Beratungen sei dort auch eine erneute zweitägige Anhörung von Beteiligten vorgesehen. In Kraft treten soll die Novelle zu Beginn des Schuljahres 2015/2016.

CDU und FDP forderten die Landesregierung erneut auf, die Schulgesetznovelle komplett zurückzunehmen. CDU-Bildungsexperte Kai Seefried sprach von einem „Chancenvernichtungsgesetz“, das leistungsfeindlich sei und zugunsten der IGS Haupt- und Realschulen, Oberschulen und Gymnasien bedrohe.

Der FDP-Politiker Björn Försterling erklärte, das neue Schulgesetz solle „das Schulsystem in Niedersachsen von heute auf morgen umkrempeln“. Wie Seefried betonte Försterling, dass Heiligenstadt bei Sprachförderschulen „die Notbremse gezogen“ habe. Dies sei dem gemeinsam ausgeübten Druck zu verdanken.

Der Philologenverband verlangte ebenfalls einen Verzicht auf das Schulgesetz. Es bedrohe die Existenz der Gymnasien akut.

Positiv äußerten sich dagegen SPD, Grüne, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Sonderpädagogik.

(Quelle: http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/542381/sprachforderschulen-bleiben-doch)

*) Bild: Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0

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