Bürgerinitiative: Das Bad erhalten

4. November 2014 | Von | Kategorie: Region

Neue Gruppe in Wittmund fordert „Runden Tisch“ – Kostenschätzung der Stadt wird angezweifelt
„Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten den unbedingten Willen zum Erhalt des Beckens haben!“

VON MANFRED HOCHMANN
1.11.14 – Die Wittmunder kämpfen weiter für den Erhalt des Kleinschwimmbades in der Finkenburgschule. Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative „Kleinschwimmbad Wittmund“ gegründet. Sie fordert den Bürgermeister und die Ratsmitglieder „eindringlich auf, vor endgültigen Beschlüssen in Gesprächen am .Runden Tisch‘ mit den Bürgern der Stadt nach Möglichkeiten zum Erhalt des Schwimmbeckens zu suchen“. Die Initiative bezeichnet das Kleinschwimmbad in einer Pressemitteilung als „absolut notwendig“ für die Schwimmausbildung von Schülern und lugendlichen sowie für die körperliche Fitness und Gesundung von kranken und alten Menschen. Die „Bürgerinitiative (BI) bekräftigte in einer Versammlung die Forderung, das Bad schnellstmöglich zu sanieren. Andere Kommunen in der Region hätten dies auch geschafft, etwa Flachsmeer oder Hesel – dort mit einem Zuschuss des Landkreises.
Die BI bittet die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung überdies darum, die Kostenschätzung des Planungsbüros pbr von 2.9 Millionen Euro für die Sanierung noch einmal zu überprüfen. „Hierbei muss die klare Zielsetzung sein – so preiswert wie möglich, aber absolut zuverlässig und solide“, so die BI. Die bisherigen Aussagen des Bürgermeisters zur Finanzierung der Sanierung enthielten nicht alle zu berücksichtigenden Faktoren und erzeugten somit „ein verzerrtes Bild in der Öffentlichkeit“, schreibt die BI.
Vor den entscheidenden Sitzungen der Ratsgremien im November möchte die BI alle offenen Fragen „sachlich und vertrauensvoll“ mit Rat und Verwaltung besprechen- „Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten den unbedingten Willen zum Erhalt des Beckens haben!“, so die BI.
Der Ortsverband Wittmund von Bündnis 90/Grüne sowie die Bürger für Bürger (BFB) schließen sich den Forderungen an. Man hoffe, „dass es doch noch zu gemeinsamen Beratungen kommt und nicht im Hau-Ruck-Verfahren der Todesstoß beschlossen wird“, heißt es in einer Presseerklärung.

 

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“
Lehrschwimmbecken: Bürgerinitiative appelliert an die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung
Auch Bündnis 90/Grüne und BFB setzen sich für weitere Gespräche über das Bad ein.

WITTMUND/MH/AH – Der Widerstand gegen die geplante Schließung des Lehrschwimmbeckens in der Finkenburgschule Wittmund ist ungebrochen. Eine neu gegründete Bürgerinitiative „Bürgerinitiative Kleinschwimmbad Wittmund“ (BI) will die Kräfte bündeln und alles tun, damit das Bad erhalten bleibt. Sie fordert einen „Runden Tisch“.
Alternativ-Berechnung
Bürgermeister und Ratsmitglieder sollten gemeinsam mit den Bürgern nach Möglichkeiten zum Erhalt des Schwimmbeckens suchen. Die Kostenschätzung des Planungsbüros pbr für die Sanierung (2,9 Millionen Euro) müsse noch einmal überprüft werden. Hierbei muss die klare Zielsetzung sein, so preiswert wie möglich, aber absolut zuverlässig und solide vorzugehen. Ein Abriss beziehungsweise der Rückbau des Bades soll rund 360 000 Euro kosten. Die BI: „Nicht berücksichtigt ist dabei, dass die Grundschule zwei Sportstätten benötigt – bei einem Abriss der Schwimmhalle also eine neue Sporthalle gebaut werden muss, die nach Angaben der Stadt etwa 1,5 Millionen Euro kosten würde. Diese Alternative kostet somit rund 1,9 Millionen Euro.“
Die Sanierung belaste die Stadt zusätzlich nicht – wie bisher immer betont wurde -mit drei Millionen Euro, sondern mit rund einer Million Euro Mehrkosten. Wenn die Baukosten noch gesenkt werden könnten, schmelze der Unterschied noch weiter. Zur Finanzierung der Restsumme von maximal einer Millionen Euro müsse Fantasie und Tatkraft entwickelt werden: Bankkredite für maximal ein Prozent Zinsen, Spenden von Firmen und Privatpersonen, Förderverein, Zuschüsse vom Landkreis wegen KGS und Förderschule sowie vielleicht von der Bundeswehr, Öffnung des Bades am Wochenende für die Öffentlichkeit und anderes.
Bevor ein Beschluss zur Schließung des Kleinschwimmbades gefasst wird, müsse konkret dargelegt werden (mit entsprechender Kostengegenüberstellung), wie künftig der Schwimmunterricht gestaltet werden soll und welche Möglichkeiten für die übrigen Nutzer des Bades bestehen werden. Man dürfe nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen.
Verlegung geht nicht
Die BI sagt: „Die Verlagerung in die Cliner Quelle geht nachweislich überhaupt nicht – zu viele Nutzer, Beeinträchtigung und mittelfristig Schädigung des Tourismus, hohe Transportkosten,  Benachteiligung etwa von sozial schwachen und älteren Menschen. Hier müsste der Bürgermeister „Butter bei die Fische tun“, und den Gegenbeweis liefern – „und das wird er nicht können“, meint die BI.
Vor der Sitzung des Verwaltungsausschusses (VA) am 19. November möchte die BI alle Fragen offen, sachlich und vertrauensvoll besprechen. „Unterstellungen des Bürgermeisters, die Schulen würden die Ängste der Eltern schüren, helfen da nicht wirklich weiter.“ Die BI bittet deshalb die Vertreter der Stadt:
„Laden Sie uns zum „Runden Tisch“ ein – sinnvollerweise in der Zeit vom 10. November (Ferienende) bis 18. November (vor der VA-Sitzung). Wir Bürger sind Wittmund – die BI möchte, dass Rat und Verwaltung auch dazu gehören und die Lebensqualität in Wittmund erhalten wollen!“
Die BI erinnert an eine Aussage in der Broschüre zur Bürgermeisterwahl am 25. Mai: „Sanierung der Kleinschwimmhalle  an  der Finkenburgschule“. Damals sei bereits über Gesamtkosten von 2,2 Millionen Euro gesprochen worden. „Wieso steht Herr Claußen heute nicht mehr zu dieser Wahlkampfaussage?“, fragt die BI in ihrer Pressemitteilung, die von Hendrik Schultz (DLRG Ortsgruppe Wittmund), Andreas Bernau (DLRG-Landesverband Niedersachsen), Elke Gerjets (Elternvertretung Finkenburgschule), Heino Brüling (Behinderten- und Reha-Sportverein) sowie Dr. Karl-Heinz Menßen und Sven Poppinga (interessierte / betroffene Bürger) unterzeichnet ist.
Landkreis ins Boot holen
Unterstützung bekommt die BI von Bündnis 90/Grünen und Bürger für Bürger (BFB). „Wir befürworten und unterstützen sehr, dass sich sowohl unsere beiden Vertreterinnen Christiane Lux-Hartig und Ingrid Ahrens als auch Herbert Potzler von BFB im Stadtrat so vehement dafür eingesetzt haben, alle Beteiligten   nochmals   an   einen Tisch zu holen. Die Lehrschwimmhalle ist einfach zu wichtig für die Wittmunder Schulen und Familien“, schreibt der Wittmunder Grünen-Vorsitzender Hans Hajo Janssen. Ziel sollte sein, ein Konzept zu erarbeiten, wie das Lehrschwimmbecken für die größte Grundschule Niedersachsens, die Ganztags-Schulen sowie die Sanierung von Turnhallen koordiniert und über drei bis fünf Jahren alle notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden können. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir sind fest davon überzeugt, dass es Lösungsmöglichkeiten gibt und diese auch nicht den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt gefährden, denn der Anstieg der Einkommensteuer im Haushalt der Stadt in den vergangenen zehn Jahren hat sich im Fünf-Jahres-Rhythmus jeweils um eine Million Euro erhöht“, so die Grünen. An den Kosten der Sanierung müsste sich nach Ansicht von Günen und BFB auch der Landkreis Wittmund beteiligen.

(Quelle: Anzeiger für Harlingerland, 1.11.14)

 

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