„Müssen um Sozialstaat kämpfen“

29. April 2014 | Von | Kategorie: Aktuell

Gewerkschaft Kreisverband Wittmund lädt zum Arbeitnehmerempfang ein – Ronald Wilts geehrt

Thema des Empfangs: „Gerecht verteilen – umverteilen.“
VON HEIDI HINRICHS

WITTMUND – Sparen allein helfe nicht, das Problem der Staatsverschuldung in Deutschland zu lösen, führte Hartmut Limbeck beim Arbeitnehmerempfang des Kreisverbandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus, zu dem sich der Verband rund um den stellvertretenden Vorsitzenden Berend Tammen am Sonnabend „Bei Bodo“ traf. Der ehemalige Verdi-Landesbezirksleiter in Nordrhein-Westfalen beeindruckte die kleine Runde mit seinem ausführlichen Vortrag, in dem er ein   imposantes   Zahlenwerk
der deutschen Wirtschaftssituation vorstellte. Er plädierte für eine gerechtere Umverteilung der finanziellen Ressourcen von oben nach unten und nicht umgekehrt. Sparmaßnahmen träfen den Arbeitnehmer anstatt ihn zu stärken, so Limbeck. Er nannte als Alternativen die Wiedereinführung einer Börsenumsatzsteuer, die es bereits bis 1991 gegeben habe. Außerdem sei auch eine Transaktionssteuer sinnvoll, die die finanzielle Situation des Staates gut tue. Insgesamt sei eine aktive Steuerpolitik notwendig, denn trotz sprudelnder Einnahmen der Großunternehmen sei die finanzielle Situation in Deutschland schlecht. Ein Problem sei außerdem, dass dem Staat Steuern in Milliardenhöhe hinterzogen     würden,     die
Schattenwirtschaft sei enorm, das Land müsse Steuerfahnder einsetzen, die Steuerquoten sollten offen gelegt werden.
Er kritisierte die zunehmende Kluft zwischen armen und reichen Menschen, die Tatsache, dass es immer mehr Kinderarmut gebe und dass rund 28 Prozent der Bürger verschuldet oder ganz ohne Kapital dastünden. In keinem anderen Land der Europäischen Union sei die genannte Kluft zwischen den wirtschaftlichen Situationen der Menschen so groß wie in Deutschland. Mit 3,1 Millionen Arbeitslosen sei man auf keinem guten Weg, es gebe unter anderem zu viel Teilzeitjobs. „Wir müssen uns den Sozialstaat stets aufs Neue erkämpfen“, mahnte der Verdi-Redner, der kritisierte, dass große
Firmen wie Enercon und RE-HAU nach wie vor eine betriebliche Mitbestimmung durch die Arbeitnehmer (Betriebsrat) verweigerten.
Neben dem inhaltsvollen Vortrag gab es zur Unterhaltung der Mitglieder anspruchsvolle Musik von Manfred Noack, der seinen Gesang mit der Gitarre untermalte und Lieder im Gepäck hatte, die die Liebe zur Heimat zum Ausdruck brachten, aber auch alte Volkslieder wie „Die Gedanken sind frei“, die bis heute aktuell sind. Dann ehrte Edeltraut Coordes Ronald Wilts, der mit seiner Frau Irmgard zum Empfang kam, für seine Gewerkschaftsarbeit. Der Lehrer im Ruhestand, der zuletzt in der Grundschule Neuschoo unterrichtete, engagiert sich bis heute für die Arbeitsbedingungen von Pädagogen. Bereits zu Beginn seiner Lehrertätigkeit Ende der 1960er Jahre war er in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) aktiv. „Er ist mit Herzblut dabei“, lobte Edeltraut Coordes den Neuschooer, Jahrgang 1941. Hans-Werner Kammer (MdB) überbrachte Grüße aus dem Bundestag und dankte der Gewerkschaft für die Unterstützung der Politik durch vernünftige Lohn- und Gehaltsabschlüsse. Heinz Buss betonte als Vertreter der Stadt, dass Aufträge für Investitionen vor Ort möglichst an hiesige Unternehmer vergeben würden und man dann darauf achte, dass gute Tarife an die Arbeitnehmer gezahlt würden. Gute Arbeit müsse gut bezahlt werden.

(Quelle: Anzeiger für Harlingerland, 28.4.14)

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