NOZ: Bildungskongress kritisiert gestrichene Klassenfahrten

18. Januar 2014 | Von | Kategorie: Aktuell

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ in ihrem online-Auftritt am 16.1.14:

„Hannover. Schroffe Kritik am Verzicht der Gymnasien im Raum Osnabrück auf Klassenfahrten ist am Donnerstag am Rande eines Bildungskongresses des Verbandes NiedersachsenMetall in Hannover geübt worden.

„Ich habe dafür kein rechtes Verständnis“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf eine entsprechende Frage in einer Pressekonferenz. Er verteidigte erneut die Anhebung der Unterrichtsverpflichtung von Gymnasiallehrern um eine Stunde: Sie sei zur Finanzierung des qualifizierten Ausbaus von Ganztagsschulen notwendig und auch zumutbar. Weil äußerte die Hoffnung, dass sich der Konflikt löse, wenn die Regierung ihr Konzept zur Milderung der Belastungen an Gymnasien vorlege.

Der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Volker Schmidt, sagte unserer Zeitung, er habe überhaupt kein Verständnis für die Protestaktionen. „Die Debatte an den Gymnasien wegen einer Stunde Mehrarbeit für Lehrer ist geradezu hysterisch“, so Schmidt. In anderen Bundesländern liege die Unterrichtsverpflichtung bei 26,5 Stunden und damit um zwei Stunden höher als demnächst in Niedersachsen. Vor diesem Hintergrund Klassenfahrten abzuschaffen, sei unverantwortlich. „Klassenfahrten gehören zur Persönlichkeitsbildung dazu und sind unverzichtbar“, erklärte der Chef des Verbandes, der über 300 Firmen mit mehr als 100 000 Beschäftigten vertritt.

Auch der Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar übte Kritik an dem zunehmenden Verzicht auf Klassenfahrten in Niedersachsen. „Solche Fahrten sind für Schüler sehr wertvoll; der Benefit ist für sie enorm“, betonte Yogeshwar, der nach eigenen Angaben seit 15 Jahren ehrenamtlich als Betreuer bei derartigen Reisen mitwirkt.

Einen Schwerpunkt des Kongresses bildete das Thema „Turboabitur“. Schmidt verwies dabei auf heftige Kritik der Wirtschaft an der auf acht Jahre verkürzten Schulzeit an Gymnasien (G 8). Dieses Modell habe sich absolut nicht bewährt und müsse dringend korrigiert werden.

Eine Umfrage seines Verbandes habe ergeben, dass sich 72 Prozent der Betriebe eine Wahlmöglichkeit zwischen G 8 und G 9 wünschten; 63 Prozent hätten angegeben, dass Qualitätsniveau und Persönlichkeitsentwicklung unter G 8 gelitten hätten. Schmidt forderte aber mit Blick aufg die Schulzeit auch Wettbewerbsgleichheit zwischen Gesamtschulen und Gymnasien.

Unter Berufung auf ein Forschungsprojekt in Sachsen-Anhalt erklärte der Chef des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Professor Stephan Thomsen, das außerschulische Engagement der Schüler in G 8-Gymnasien sei wegen der gestiegenen Belastungen um ein Drittel zurückgegangen.

Weil bekräftigte, dass die Landesregierung innerhalb des nächsten halben Jahres ein Konzept zur Reform des Turboabis auf den Tisch legen wolle. Bei der verkürzten Schulzeit in der jetzigen Form könne es nicht bleibe n.

Auch Yogeshwar plädierte für eine Reform. Er nannte G 8 „strategisch falsch“. Der Moderator forderte, den Schülern wieder mehr Zeit einzuräumen. Er bezeichnete es auch als unverantwortlich, wenn immer mehr kreaticve Arbeitsgemeinschaften auf der Strecke blieben.

Der Philologenverband und dioe FDP-Landtagsfraktion zeigten sich unterdessen besorgt, dass die Reform des Abiturs auf Kosten der Qualität gehen könne. Gewarnt wurde davor, das Problem durch eine Senkung der Leistungsanforderungen zu beheben.“

(Quelle: http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/443439/bildungskongress-kritisiert-gestrichene-klassenfahrten#)

Tags: , ,

Schreibe einen Kommentar