Schlechte Noten für vorschulische Sprachstandstests

5. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Schule

Nur acht von 21 Test erfüllen ausreichende Qualitätsmerkmale

Nur acht der 21 bundesweit eingesetzten Sprachstandsverfahren erfüllen mehr als 16 von 32 wissenschaftlichen Qualitätsmerkmalen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Vorgestellt wurde sie heute vom Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache.

Besonders fraglich ist laut der Studie „Die Qualität von Sprachstandsverfahren im Elementarbereich“ , ob die Tests den Sprachstand objektiv und valide messen und dabei Mehrsprachigkeit ausreichend berücksichtigen. Das Institut empfiehlt den Bundesländern eine Koordinierungsstelle, um die eingesetzten Verfahren gemeinsam und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Hintergrund der Studie ist die mangelnde Vergleichbarkeit der derzeit eingesetzten Sprachstandsverfahren und die daraus resultierende mangelnde Chancengleichheit auf Sprachförderung. 15 Bundesländer haben Sprachstandsverfahren eingeführt, um einen eventuellen Sprachförderbedarf bei Kindern rechtzeitig vor dem Schuleintritt festzustellen.

Förderquote je nach Bundesland zwischen zehn und 50 Prozent

Allerdings weist eine je nach Bundesland zwischen zehn und 50 Prozent schwankende Förderquote darauf hin, dass der tatsächliche Sprachförderbedarf nicht objektiv und vergleichbar ermittelt wird. Im Nationalen Aktionsplan Integration von 2012 hatten die Bundesländer sich verpflichtet, solche Standards zu entwickeln. „Wir wollen einen fachlichen Impuls für die Bundesländer und die Testentwicklung geben, wie die Sprachdiagnostik im Elementarbereich verbessert werden kann. Ob ein Kind gefördert wird oder nicht, darf nicht vom Bundesland abhängen, in dem es aufwächst“, erläutert Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, die Ziele der Studie.

Bild: Mercator Stiftung

Die Wissenschaftler identifizierten den größten Nachbesserungsbedarf hinsichtlich Objektivität, Validität und Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit. Die Objektivität eines Verfahrens ist gewährleistet, wenn das Verfahren unabhängig von subjektiven Einflussfaktoren funktioniert. Empirische Belege für die Objektivität fehlen bislang für knapp 60 Prozent der geprüften Verfahren. Als einziges Verfahren schneiden hier der Cito Sprachtest Version 3 (Bremen) und Meilensteine der Sprachentwicklung (Brandenburg) sehr gut ab. Für den Anteil jener Kinder, deren Sprachförderbedarf trotz Test nicht erkannt wird, gilt das gleiche: Für 60 Prozent der Verfahren liegen auch hier keine Angaben vor, nur HASE (Baden-Württemberg) und KISTE (Brandenburg) erreichen eine sehr gute Bewertung.

Test muss an der Lebenswelt der Kinder ausgerichtet sein

Auch hinsichtlich der Frage, ob ein Verfahren tatsächlich den Sprachstand eines Kindes misst und nicht andere Bereiche der kognitiven und emotionalen Entwicklung (Validität), weisen die Verfahren große Defizite auf, zum Beispiel bei der Alltagsnähe der Testsituation. Nur acht Verfahren erfüllen dieses Merkmal, DESK 3-6 (Mecklenburg-Vorpommern) schneidet als einziges Verfahren sehr gut ab. „Ist der Test nicht an der Lebenswelt der Kinder ausgerichtet, reagieren sie ängstlich und verstummen. Ein Rückschluss auf den Sprachstand ist dann nicht mehr möglich“, erklärt Dr. Uwe Neugebauer, Autor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator-Institut.

Sprachbiografie wird nicht ausreichend berücksichtigt

Verbesserungsbedarf sehen die Autoren ebenfalls beim Thema Mehrsprachigkeit. Zwei Drittel der Verfahren berücksichtigen die Sprachbiografie nicht ausreichend. „Eine Möglichkeit ist beispielsweise, die Eltern einzubeziehen und sie zu fragen, wie sie die sprachliche Entwicklung ihres Kindes einschätzen, wie häufig in der Familie Deutsch gesprochen wird, welche Sprache das Kind mit seinen Geschwistern spricht. Das ist aber nur bei drei Verfahren der Fall“, so Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek.

Koordinierungsstelle gefordert

Zur Überarbeitung und Optimierung der Verfahren empfiehlt das Mercator-Institut den Bundesländern eine Koordinierungsstelle, um die eingesetzten Verfahren gemeinsam und kontinuierlich weiterzuentwickeln. In einer vom Institut einberufenen Fachkonferenz diskutieren Ländervertreter aus 13 Bundesländern gemeinsam mit Experten aus der Testentwicklung und der Praxis heute die Ergebnisse der Studie und weitere Konsequenzen.

Dabei gab es auch generelles Lob, denn in einigen Handlungsfeldern erzielen die Verfahren bereits jetzt gute Ergebnisse: So erfüllt jedes Verfahren mindestens eines der Qualitätsmerkmale gut oder sehr gut. Positiv schnitten die Verfahren auch hinsichtlich der zeitlichen Anforderungen ab: Die Durchführung eines Verfahrens sollte im Idealfall nicht länger als 20 Minuten dauern. So lange kann sich ein vierjähriges Kind gut konzentrieren. Zwei Drittel der Verfahren erfüllen dieses Merkmal, insbesondere Verfahren, bei denen die Erzieherinnen das sprachliche Verhalten der Kinder im Kita-Alltag beobachten, z. B. Früh Deutsch lernen (Saarland), Sismik und Seldak (Bayern, Schleswig-Holstein).

(Quelle: http://bildungsklick.de/a/89448/schlechte-noten-fuer-vorschulische-sprachstandstests/)

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