Anzeiger: „Kein gutes Signal an die Lehrer“

16. August 2013 | Von | Kategorie: Aktuell

 

Anzeiger: Bildung Ausbau der Ganztagsschulen – Chaos bei Inklusion

„WITTMUND/WJA – Kommt es zu einem Wechsel in der Landesregierung, geht damit häufig eine 180-Grad-Wende in der Bildungspolitik einher. Doch davon kann in Niedersachsen keine Rede sein, plant doch auch rot-grün, die Ganztagsschulen auszubauen und den eingeschlagenen Weg der Inklusion weiterzugehen. Diese Projekte wurden bereits zu Zeiten der CDU/FDP-Landes regierung gestartet und sollen nun in einer veränderten Form fortgeführt werden. Frei nach einem SPD-Slogan aus dem Bundestagswahlkampf 1998: „Wir wollen nicht alles anders, aber vieles besser machen.“

Alex von Fintel, Bundestagskandidat, verdeckt Ulli Maus, Kreisgrüne, Ina Korter, Vors. des Kultusausschusses in Niedersachsen

So könnte auch das Fazit der Ausführungen von MdL Ina Korter, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Dienstagabend in einer Gesprächsrunde in der „Residenz“ lauten. Eingeladen hatte der Kreisverband der Wittmunder Grünen, gekommen waren etwa 30 Elternvertreter und Lehrer. Doch gerade die Letztgenannten, eigentlich klassisches Wählerklientel von Rot-Grün, zeigten sich sehr erbost über die Umsetzung der Inklusion. Laut den Pädagogen erhielten die Grundschulen und weiterführenden Schulen zu wenig sonderpädagogische Förderstunden. „Also müssen wir uns alleine mit diesen lernbehinderten Kindern auseinandersetzen, wofür wir aber gar nicht ausgebildet sind“, sagte Reinhard Rommel, Rektor der Wittmunder Grundschule. Und die angebotenen Fortbildungen zur Inklusion seien wenig hilfreich. Umgekehrt klagte Matthias Regner als Leiter der Esenser Förderschule: „Wir haben nicht ausreichend Lehrer für uns selbst und sollen nun auch noch Stunden an andere Schulen abgeben.“
Dem konnte Korter nur entgegnen, dass es ein Verdienst von Rot-Grün sei, dass trotz sinkender Schülerzahlen keine weiteren Lehrerstellen gestrichen worden seien. Außerdem kündigte sie das Ende der Förderschule „Lernen“ an. Bekanntlich gab es dort mit Beginn dieses Schuljahrs keine Einschulungen mehr, ab 2014 ist dann auch ein Wechsel in die fünfte Klasse einer Förderschule Lernen nicht mehr möglich. Immerhin verwies Korter auf eine bessere Finanzausstattung und einen Ausbau der Ganztagsschulen, die neue Landesregierung halte hierfür zusätzlich 350 Millionen Euro bereit. Damit solle endgültig Schluss sein mit den prekären Beschäftigungsverhältnissen, die noch unter Schwarz-Gelb üblich gewesen wären. Neu ist auch, dass gebundene, teil-gebun-dene und offene Ganztagsschulen gleichrangig gefördert werden. In einer offenen Aussprache wiesen die Lehrer darauf hin, dass ihr Schulalltag von immer mehr Bürokratie bei schwieriger werdenden Schüler geprägt sei. Jeder vierte Pädagoge erreiche heute nicht mehr die reguläre Pensionsgrenze. Vor diesem Hintergrund sei das Aussetzen der Altersermäßigung und das Anheben der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer um eine Wochenstunde ein Unding. „Das ist kein gutes Signal an die Lehrer“, so der Rektor der Esenser Realschule, Peter Sörnsen.“

(Quelle: „Anzeiger für Harlingerland“, 14.8.2013)

Tags: , ,

Schreibe einen Kommentar