GEW Niedersachsen: Lehrkräfte sind kein Einsparpotenzial!

7. Juni 2013 | Von | Kategorie: Schule

5.6.2013 – „Es ist jedes Jahr derselbe Versuch: auch in seinem heute vorgelegten Jahresbericht wirbt der Landesrechnungshof für das Streichen von tausenden Stellen im Schulbereich.“ GEW-Landesvorsitzender Eberhard Brandt bezeichnet den Bericht als „in zentralen Punkten nicht praxistauglich“.

Der Landesrechnungshof hat einen Umfang von 7.700 Lehrerstellen als „demographische Rendite“ bis 2020 ausgerechnet und dies als „Einsparpotenzial“ bezeichnet. „Pädagoginnen und Pädagogen sind kein Einsparpotenzial. Diese Stellen müssen dringend im System erhalten bleiben; wir brauchen sie zur Entlastung der Kolleginnen und Kollegen, zur Umsetzung der Inklusion und zum Aufbau von gebundenen Ganztagsschulen“, fordert Brandt.

Er verweist darauf, dass diese Ressourcen aber nur zur Verfügung stünden, wenn der Rückgang der Schülerzahlen mit einer aktiven Schulentwicklungsplanung einhergehe. Der Bedarf an Lehrerstellen sei nicht alleine von der Schülerzahl abhängig, sondern hänge auch mit der Anzahl der Schulen und Klassen zusammen. „Wir müssen eine Schulentwicklungsplanung anstoßen, die nicht an den Grenzen der Schulträger endet, sondern sich nach den Interessen der Eltern, Schüler und Beschäftigten an der Schule richtet. Eine solche Initiative erwarte ich von der Kultusministerin, damit wir den Rückgang der Schülerzahlen über die nächsten Legislaturperioden hinweg erfolgreich nutzen können“, sagt Brandt. Er erwarte zudem, dass die neue Landesregierung ihr Versprechen halte und die Personalressourcen im Bildungsbereich nicht als „Einsparpotenzial“ ansehe. „Diese immer wiederkehrende Einschätzung des Landesrechnungshofs ist abenteuerlich und praxisfern“, so Brandt.

Der GEW-Landesvorsitzende verweist dabei auch auf die Ausführungen des Landesrechnungshofs selbst, der den hohen Krankenstand und das fehlende Gesundheitsmanagement an den Schulen kritisiert hatte. „Die Belastung der Kolleginnen und Kollegen ist seit Jahren extrem hoch, daher begrüße ich es, wenn hier endlich etwas passieren würde. Die Erhöhung des Krankenstands um zehn Prozent kommt ja nicht von ungefähr, sondern hat mit den gestiegenen Anforderungen an die Kolleginnen und Kollegen und der Verdichtung der Arbeit zu tun.“ Der Landesrechnungshof könne nicht einerseits von einem Einsparpotenzial von 7.700 Stellen sprechen und andererseits den Abbau des hohen Krankenstands fordern. „Besserer Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement alleine werden nicht ausreichen, um den Krankenstand abzubauen. Die Lehrkräfte brauchen Entlastung in der täglichen Arbeit, zum Beispiel durch eine Verkleinerung der Klassen oder die Verringerung der Arbeitszeit für ältere Kolleginnen und Kollegen.“ Brandt kündigt an, dass ein Abbau der Lehrerstellen, das Streichen der Altersermäßigung bei der Unterrichtsverpflichtung oder sogar eine Erhöhung der Unterrichtsstunden der Lehrkräfte auf massiven Widerstand der Gewerkschaft stoßen werde. „Jedwede Erhöhung der Arbeitszeit oder sonstige Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wird tausende Lehrerinnen und Lehrer auf die Straße treiben.“

(Quelle: http://bildungsklick.de/pm/88010/lehrkraefte-sind-kein-einsparpotenzial/)

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