Anzeiger: Oberschule ist noch nicht angekommen

6. April 2013 | Von | Kategorie: Thema

In seiner Ausgabe vom 5.4.13 titelt der „Anzeiger für Harlingerland“:

Landkreis sieht Landesschulbehörde in der Pflicht

Landrat Matthias Köring: Oberschule Westerholt droht die Einzügigkeit

WITTMUND/HÄ – Mit großer Sorge blickt der Landkreis Wittmund derzeit auf die vorläufigen Trendmeldungen für den bevorstehenden Wechsel der Kinder von den Grundschulen in die weiterführenden Schulen.
Während sich für die Schulen in Wittmund und Friedeburg sowie auf den Inseln kaum Veränderungen abzeichnen würden, hätten sich für den Raum Holtriem schon in 2012 neue Schülerströme in Richtung der Realschulen Esens und Dornum sowie der Hauptschule Esens ergeben. „Hinzu kommen leichte Abwanderungen zur IGS in Aurich“, erklärte Landrat Matthias Köring gestern auf Anfrage. Auch für das kommende Schuljahr setze sich dieser Trend fort. Von derzeit 81 Schülern der Grundschulen Holtriems haben 45 eine Realschul- und 36 eine Hauptschulempfehlung erhalten und könnten somit die Oberschule Westerholt besuchen. Dem vorläufigen Trend zufolge sei mit 28 Schülern jedoch nicht einmal die Teilungsgröße erreicht. „Der Oberschule droht die Einzügigkeit. Wir sehen hier die Landesschulbehörde in der Pflicht, dem entgegenzuwirken“, so Landrat Matthias Köring.

Nach Ausbau der David-Fabricius-Schule für drei Klassen pro Jahrgang droht nun Einzügigkeit

Die Abwanderung von Schülern aus Holtriem Richtung Esens und Dornum hält an. Das bestätigen die aktuellen Trendmeldungen.

VON KLAUS HÄNDEL
HARLINGERLAND – Die Trendmeldungen für den Wechsel von den Grundschulen auf die weiterführenden Schulen im Landkreis Wittmund zum Schuljahresbeginn 2013 / 2014 liegen vor. Während sich auf den Inseln sowie in Wittmund und Friedeburg trotz der demografischen Entwicklung kaum Veränderungen bei den zu erwartenden Schülerströmen ergeben, hält der Trend zur Abwanderung im Raum Holtriem an. Das bestätigte Landrat Matthias Köring gestern auf Anfrage.
„Der Landkreis ist als Schulträger zuständig für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und der Ausstattung“, so Köring. So habe der Kreis mit Unterstützung des Landes Niedersachsen in den Jahren von 2007 bis 2009 insgesamt 3,7 Mio. Euro in den Ausbau der heutigen David-Fabricius-Ganztagsschule, Oberschule Westerholt, investiert.
„Für das pädagogische Konzept der Schulen, hier der Oberschule Westerholt, sehe ich die Landesschulbehörde in der Pflicht“, betont Matthias Köring. Beim Ausbau der Schule in Westerholt sei man von einer Dreizügigkeit ausgegangen, „vor dem Hintergrund   des   demografischen Wandels zumindest aber von zwei Klassen pro Jahrgang“. Bereits in 2012 habe man aber eine Abwanderung von für die Oberschule in Frage kommenden Holtriemer Schüler feststellen müssen. „Wir beobachten das mit großer Sorge“, so Landrat Köring. „Ich selbst halte das Konzept der Oberschule für eine gute Schulform, auch so, wie sie in Westerholt von den handelnden Personen gelebt wird.“
Doch in den Köpfen der Eltern ist die Oberschule offenbar noch nicht angekommen: Das belegen die aktuellen Schülerzahlen und vorläufigen Trendmeldungen. Zurzeit besuchen 108 Kinder die vierten Klassen der Grundschulen Blomberg-Neuschoo, Utarp-Ochtersum und Westerholt. Davon haben 27 eine Schullaufbahnempfehlung für das Gymnasium, 45 für die Realschule und 36 für die Hauptschule. „Alle gymnasialempfohlenen Schüler aus Holtriem werden das Internatsgymnasium in Esens besuchen. Die verbleibenden 81 Schüler könnten die Oberschule Westerholt besuchen“, so Köring. Nach dem aktuellen Trend sind es zurzeit jedoch nur 28. Dadurch ist die Teilungsgröße nicht erreicht. „Das bedeutet: Der Oberschule Westerholt droht die Einzügigkeit.“
Die Profiteure der Abwanderung sind die Realschulen in Dornum und Esens sowie die Hauptschule Esens. Diese Schulen seien durch ihre klassischen Schulformen, aber auch durch ihre heutigen Angebote  bei  den  Eltern  fest etabliert und auch in Schülerkreisen anerkannt.
„Wir müssen die endgültigen Anmeldezahlen abwarten und dann bewerten, ob die Oberschule in Westerholt bei den Eltern angekommen ist. Wir sehen die Oberschule als Projekt, dass nach wie vor auf dem Prüfstand steht“, so der Landrat. Als junge Schulform habe es die Oberschule noch schwer.
Um Eltern das Konzept näherzubringen und die Akzeptanz für die Oberschule zu erhöhen, sieht der Landkreis die Landesschulbehörde in der Pflicht. Ein positiver erster Schritt sei hier die Abordnung einer Grundschullehrerin aus der Krummhörn als zusätzliche neue pädagogische Leiterin der Oberschule Westerholt.

(Quelle: Anzeiger für Harlingerland, 5.4.13)

Bereits im November 2012 wiesen die GRÜNEN in einer Pressemitteilung (“Oberschule kein Erfolgsmodell – nur Übergangslösung”) darauf hin, dass in Niedersachsen nicht gerade  wenige Oberschulen („Ein Drittel“) die geforderte (geringe) Mindestgröße (48 Schüler) pro Jahrgang nicht erreichen würden (hier der Artikel bei uns) und daher von Schließung bedroht seien. Diese Angaben basierten auf bereits zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Zahlen der Landesschulbehörde (hier downzuloaden).  Die Oberschule Westerholt lag von den damals genannten 216 Oberschulen im Lande mit 28 gemeldeten Schülern an zehntletzter Stelle. Die GEW wies schon im Oktober 2011 darauf hin, „das Umschrauben der Türschilder bei den Haupt- und Realschulen habe kein Problem gelöst.“

-kj.richter-

Tags:

Schreibe einen Kommentar