GEW: Minister Althusmann hat seine Zeit nicht genutzt

18. Januar 2013 | Von | Kategorie: Aktuell

Erlassentwurf zum Inklusionsgesetz enttäuscht auf ganzer Linie

14.1.13 – „Ein halbes Jahr vor dem Starttermin erfahren die Schulen immer noch nicht, unter welchen Bedingungen sie die Inklusion umsetzen sollen. Die vorgelegten Erlasse sind Stückwerk. Die personellen Ressourcen reichen nicht aus. Der Minister lässt die LeiterInnen der Förderzentren weiter im Regen stehen. Er hat seine Zeit nicht genutzt, um das Vorhaben Inklusion auf einen guten Weg zu bringen, obwohl seit einem Jahr daran gearbeitet wurde und obwohl die GEW und andere Fachverbände im intensiven Austausch mit dem Ministerium standen“, kritisiert der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Eberhard Brandt die jetzt in die Anhörung gegebenen schulrechtlichen Regelungen zur Umsetzung des Inklusionsgesetzes. Dies bestimmt, dass im kommenden Schuljahr Kinder mit Behinderungen in den 1. Klassen der Grundschulen und den 5. Klassen der weiterführenden Schule aufgenommen und dort gefördert werden.

„Die neue Rolle der Förderzentren wird nicht geregelt“, erklärt Eberhard Brandt. Künftig werden alle Förderschulen mit dem Schwerpunkt „Lernen“ keine Grundschulklassen mehr haben und auch ab Jahrgang 5 kaum angewählt werden. Die ehemaligen Förderschulen werden zu Förderzentren, die die Inklusion in den Schulen steuern. Die Förderschullehrkräfte arbeiten dann an den Regel-Grundschulen bzw. in den weiterführenden Schulen. Ihr Einsatz und ihre Fortbildung, die Beratung der Kollegien, die Konzeptentwicklung für inklusive Pädagogik und umfassende Beratungsaufgaben von Eltern und Schulträgern stehen im Pflichtenheft der Leitungen der Förderzentren, ohne dass es ein schlüssiges Konzept für die Entwicklung der Förderzentren gibt. Weil die alte Arbeitszeitordnung entgegen den ausdrücklichen Ankündigungen von Kultusminister Althusmann nicht erneuert wird, besteht die absurde Situation, dass LeiterInnen der Förderzentren für ihre neuen Aufgaben keine Zeit haben, weil sie immer mehr eigenen Unterricht leisten müssen. „Die FörderschulleiterInnen fühlen sich regelrecht veralbert“, berichtet der GEW-Landesvorsitzende.

Auf harsche Kritik der Bildungsgewerkschaft stößt die bisher angekündigte Anzahl von Lehrkräften, SozialpädagogInnen, pädagogischen MitarbeiterInnen und Therapeuten, die zur Verstärkung der sonderpädagogischen Grundausstattung in den Grundschulen vorgesehen sind. Die im Erlass vorgesehene Zuweisung von zwei Stunden von Förderschullehrkräften als Grundausstattung pro Klasse im Bereich Lernen reichen aus Sicht der GEW-Fachleute nur, wenn es sehr wenige Kinder mit Förderbedarf an einer Grundschule gibt. Der Erlass sieht vor, dass diese Grundausstattung verstärkt werden soll, wenn die Schulen vor besonderen Herausforderungen stehen, z.B. in sozialen Brennpunkten. Bisher hat der Minister zur Verstärkung der Grundausstattung nur 50 zusätzliche Lehrkräfte für 1.800 Grundschulen angekündigt. „Das ist ein Witz und das weiß der Minister auch, denn wir haben dazu Klartext gesprochen“, so Eberhard Brandt. Nach Auffassung der GEW sind 400 zusätzliche Stellen pro Grundschuljahrgang eine angemessene Größenordnung.

Leider wird im Verordnungsentwurf das Prinzip der systemischen Regelung der Personalzuweisung für die Grundschulen nicht durchgehalten. Die Reduzierung der Klassenobergrenzen wird an die Feststellung des Unterstützungsbedarfs in den Förderschwerpunkten Lernen und Sprache gekoppelt. Die Anregungen der GEW und anderer Fachleute wurden ignoriert.

Die Grundsatzerlasse der allgemein bildenden Schulen werden nur in der Terminologie verändert. Es wird aber versäumt, die Bedingungen für die pädagogische Arbeit an die Anforderungen der Inklusion anzupassen. Die GEW hatte gemeinsam mit dem Verband Bildung und Erziehung und dem Grundschulverband ein Konzept für die Inklusive Grundschule vorgelegt: als Ganztagsschule, Lernbeurteilungen statt Zensuren, generelle Einführung der flexiblen Eingangsstufe – oder der Flexibilität bis Klasse 4 mit entsprechender personeller Grundausstattung mit multiprofessionellen Teams von Grundschul- und Förderschullehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften, die gemeinsam Klassen leiten. Nichts davon wurde aufgenommen.

Außerdem hat das Kultusministerium keine Regelungen zur Steuerung der inklusiven Beschulung beim Übergang von der Grundschule in weiterführende Schulen vorgelegt. Diese sind aus Sicht der GEW erforderlich, wenn die Inklusion im 5. Schuljahrgang eingeführt wird. „Der Minister hatte angekündigt, dass er aus den Fehlern anderer Bundesländer gelernt habe und die Umsetzung der Inklusion gründlich vorbereiten wolle. Davon ist nichts zu spüren“, kommentiert die GEW enttäuscht.

(Quelle: http://www.gew-nds.de/meldungen/PM_14.01.13.php)

Siehe auch: http://www.gew-wittmund.de/2013/01/14/erste-regelungen-zur-umsetzung-der-inklusion/)

sowie: Download des Änderungserlassentwurfs unter http://www.gew-wittmund.de/wp-content/uploads/2013/01/Entwurf_des_Aenderungserlasses_zur_Umsetzung_des_Gesetzes_zur_Einfuehrung_der_inklusiven_Schule_.pdf)

und der zugehörigen Hinweise unter http://www.gew-wittmund.de/wp-content/uploads/2013/01/Hinweise_zum_Erlassentwurf_Aenderug_der_Umsetzung_der_Inklusion.pdf)

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