Anzeiger: „Inklusion soll an allen Schulen des Landkreises möglich sein“

8. Dezember 2012 | Von | Kategorie: Inklusion

Bildung: Keine Schwerpunktorte im Sekundarbereich I

Inklusion: Landkreis steigt ein

WITTMUND/MH – Inklusion ist die wohl größte Herausforderung, auf die sich die Schulen in Niedersachsen derzeit einstellen müssen. Der Schulausschuss des Landkreises Wittmund stellte jetzt die Weichen für die Schulen des Sekundarbereiches I. Einig war man sich darin, dass es keine Schwerpunktschulen, sondern landkreisweite Angebote mit inklusivem Unterricht geben soll. „Wir wollen die Kinder nicht aus ihrem Umfeld herausholen. Wir gehen davon aus, dass wir das so hinbekommen, die Raumsituation gibt das her“, sagte Landrat Matthias Köring. Beate Kaminski von der Landesschulbehörde in Aurich bestätigte dies: „Der Landkreis ist bereits gut ausgestattet.“ Ein wichtige Rolle komme auf die beiden Förderschulen in Wittmund und Esens zu. Eltern können und sollten sich hier zum weiteren Werdegang ihrer Kinder beraten lassen. Für die Umsetzung der inklusiven Schule sollen zunächst 30 000 Euro eingesetzt werden.    -»-SEITE 3

WITTMUND/MH – „Alle Kinder, ganz gleich, welchen Hintergrund und Bedarf sie haben, sollen die gleichen Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe bekommen.“ Mit diesem Satz leitete Dezernentin Beate Kaminski von der Landesschulbehörde in Aurich ihren Vortrag zum Thema Inklusion im Kreis-Schulausschuss ein. Und sie schickte gleich hinterher: „Eltern mit behinderten Kindern bekommen ein umfassendes Wahlrecht.“ Ab dem Schuljahr 2013/14 dürfen sie die Schulform wählen.
Damit war der Rahmen klar abgesteckt. Der Landkreis muss nun – wie auch die Gemeinden und Städte für die Grundschulen – diese Vorgabe aus der UN-Behindertenrechtskommission umsetzen. Obwohl das niedersächsische Kulturministerium noch nicht alle Details geregelt hat, müssen sich die Schulträger auf die neuen pädagogischen Aufgaben einstellen.
Die beiden Förderschulen in Wittmund und Esens spielen weiter eine wesentliche Rolle im Unterricht mit behinderten Kindern im Landkreis. „Sie sind unentbehrlich und erste Anlaufstelle für ratsuchende Eltern“, sagte Landrat Matthias Köring. Der Landkreis müsse die Inklusion aber auch im Sekundarbereich I möglich machen. Hier wolle man keine örtlichen Schwerpunkte setzen, sondern flächendeckende Angebote schaffen (siehe Seite 1). „Dies ist mit allen Schulleitern abgestimmt“, sagte der Landrat. Das Raumangebot der allgemeinbildenden Schulen reiche aus; die Barrierefreiheit sei gewährleistet.
Nach einer Erhebung des Gesundheitsamtes haben künftig etwa 15 bis 20 Kinder pro Jahrgang im Landkreis einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Der Einsatz von Integrationshelfern soll im Einzelfall geprüft werden.
Köring und einige Kreispolitiker gaben der Schuldezernentin noch eine Bitte, eher einen Appell, mit auf den Weg: Entscheidend bei der Umsetzung der Inklusion sei, dass die Schulen „ausreichend zusätzliche Förder- und Lehrerstunden bekommen“. Köring: „Wenn schon Inklusion, dann vernünftig.“ Kaminiski pflichtete bei, allerdings sei es derzeit sehr schwierig, offene Stellen in Ostfriesland und in der Küstenregion zu besetzen.
Beim ersten Haushaltsansatz für die Inklusion – 30 000 Euro – handelt es sich eher um einen symbolischen Betrag. Nach Bedarf soll er aufgestockt werden.

(Quelle: Anzeiger für Harlingerland, 9.12.12)

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