GEW: Regierung verweigert weiter dringende schulpolitische Lösungen zum demografischen Wandel und zur Inklusion

8. September 2012 | Von | Kategorie: Inklusion

3.9.2012 – Die Behauptung „Wir verbessern im neuen Schuljahr die Lernbedingungen weiter“ aus der Pressemitteilung von Kultusminister Althusmann vom 31. August 2012 stoße in den Schulen auf Unverständnis, erklärt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Eberhard Brandt. In Gesamtschulen, Realschulen und Gymnasien sowie in den Berufsbildenden Schulen herrschten Bedingungen, die wesentlich schlechter seien als vor Regierungsantritt der Schwarz-Gelben Landesregierung im Jahre 2003.
Die realen Klassenfrequenzen in diesen Schulformen sind seitdem massiv angestiegen. Klassen über 28 Schülerinnen und Schüler waren bis 2003 an Gymnasien und Gesamtschulen eine Ausnahmeerscheinung. In der aktuellen Schulstatistik hätten über 50 Prozent der Klassen mehr als 28 SchülerInnen (siehe dazu die Tabellen im Anhang!). Es sei unlauter, mit einem schulformübergreifenden Durchschnittswert zu arbeiten, der durch die Miniklassen an Hauptschulen, Oberschulen und Grundschulen statistisch zustande kommt, betont Eberhard Brandt. Es werde Zeit, dass die Klassenobergrenze an Gymnasien und Gesamtschulen schrittweise auf 25 reduziert werde.

Niedersachsens Schulen sind noch weit davon entfernt, wieder die tatsächliche Lehrkräfteversorgung zu bekommen, die in den 90er Jahren üblich war. Unter Kultusminister Busemann wurden den Schulen zahlreiche Lehrerstunden entzogen, die ihnen die Luft zum Atmen gegeben hatten, die ihnen zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften, Förderstunden, eine Verringerung der Gruppengröße im Wahlpflichtbereich, im Technikunterricht und beim Schwimmunterricht ermöglicht hatten. „Nur durch diese Tricks haben die Schwarz-Gelben die Schulstatistik geschönt“, kritisiert der GEW-Landesvorsitzende. „Wir fordern, dass den Schulen die Stunden zurückgegeben werden, die ihnen die Regierung 2004 weggenommen hat!“

Nur Tricks führen zur besten Schüler-Lehrer-Relation aller Zeiten

Auch jetzt trickse die Landesregierung. So stünden Tausende von Stellen aus der Schulstatistik den Schulen nicht für Unterricht zur Verfügung, denn sie würden zur Rückgabe der Überstunden aus den Lehrerarbeitszeitkonten gebraucht. Dies müsse bei der Berechnung der Schüler-Lehrerrelation ebenso beachtet werden wie die Tatsache, dass an den Gymnasien unter G8 zwar die Schülerzahl abgenommen habe, die Anzahl der zu erteilenden Wochenstunden aber gleich geblieben sei.

Alle Stellen erhalten und zusätzliche schaffen

Die GEW erkenne an, dass Dr. Althusmann den Kurs der Landesregierung korrigiert habe. „Die Kritik und die Aktionen der GEW haben dazu beigetragen, dass in dieser Legislaturperiode nicht Stellen gestrichen, sondern zusätzliche geschaffen worden sind.“ In den kommenden Jahren reiche es nicht aus, alle Stellen wieder zu besetzen. „Für die Inklusion und einen rechtmäßigen Ganztag brauchen wir zusätzliche Stellen.“

Hausaufgabenerlass – ein populistischer Unsinn

Der Schulhauptpersonalrat und neben der GEW alle Lehrerverbände kritisieren diesen Erlass. In den offenen Ganztagsschulen sollen diejenigen SchülerInnen einer Klasse, die an einem Nachmittagsangebot teilnehmen, weniger Hausaufgaben bekommen, also diejenigen, die mittags nach Hause gehen. „Diese Regelung ist in der Praxis undurchführbar und auch unsinnig“, kritisiert die GEW. Schließlich müssten alle für Übung und Vertiefung des Unterrichts sowie für selbständige Vorbereitungen gleich viel Zeit zur Verfügung haben. Richtige Ganztagsschulen integrierten Arbeits- und Übungsstunden unter Leitung der zuständigen Lehrkräfte in den Tagesablauf. Nur das mache Sinn.

Inklusion – Kultusminister hat seine Hausaufgaben nicht gemacht

Die Lehrkräfte der niedersächsischen Schulen seien enttäuscht, dass der Minister immer noch offen lässt, unter welchen Bedingungen die Inklusion umgesetzt werden soll. „Weder die Klassengrößen noch die Zuweisung von zusätzlichen Förderschullehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften ist geregelt. Die Grundsatzerlasse der Grundschulen und der weiterführenden Schulen sind nicht an die Aufgabe der Inklusion angepasst. Diese Hausaufgaben muss der Minister schleunigst erledigen, sie sind schon überfällig“, so Eberhard Brandt.

SchulleiterInnen brauchen Entlastung

Die neue Arbeitszeitordnung hat nur eine minimale Entlastung für Schulleitungen gebracht. Es wird Zeit, dass die Schulleiterinnen und Schulleiter aller Schulformen bei dem Personalgeschäft entlastet werden. Wichtig ist, dass die eigenverantwortlichen Schulen das Personal auswählen. Das Einstellungsverfahren einschließlich aller juristischen Prüfungen soll wieder von der Schulbehörde durchgeführt werden. Hier ist auch der Ort, an dem die Mitbestimmung durch die Personalräte sachgerecht wahrgenommen werden kann.

Demografischer Wandel wird nicht gestaltet

Die Landesregierung verweigere sich der Aufgabe, das Schulangebot dem demografischen Wandel anzupassen. Die Oberschulen hätten sich als Flop erwiesen und seien bei den rückläufigen Schülerzahlen keine zukunftsträchtige Schulform. „Es sind viele kleine und kleinste Oberschulen genehmigt worden, die von den Eltern so schlecht angewählt werden, dass sie keine Chance haben, die nächsten Jahre zu überstehen. Die wenigen Gymnasialzweige werden in der Regel so schlecht akzeptiert (5 bis 8 SchülerInnen), dass sie die Behörde auslaufen lassen muss, wie der Staatssekretär im Landesschulbeirat bestätigen musste. 200 Oberschulen haben erheblich weniger SchülerInnen pro Jahrgang als 100 Gesamtschulen, so dass die Aussagen des Ministers gegenstandslos sind, die Oberschule sei neben dem Gymnasium die zweithäufigste Schulform“, kritisiert der GEW-Landesvorsitzende. Es sei erkennbar, dass es nach den Landtagswahlen keine Regierung geben werde, die dem Interesse der Eltern und Schulträger an Gesamtschulen weiter Steine in den Weg lege. Althusmann solle seine Blockadehaltung gegen vierzügige Gesamtschulen, die alle anderen Schulformen ersetzen können und deshalb ein geeignetes Instrument für ein zukunftsfähiges Schulangebot sein können, jetzt aufgeben. „Wir brauchen nicht noch ein verlorenes Schuljahr!“ so Eberhard Brandt.
(Quelle: http://bildungsklick.de/pm/85081/gew-regierung-verweigert-weiter-dringende-schulpolitische-loesungen-zum-demografischen-wandel-und-zur-inklusion/)

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